Jetzt bin ich erst recht verunsichert. Udo Vetter hat in einem länglichen Artikel zur Novelle des JMStVs zur Gelassenheit geraten, aber schon in den Kommentaren tauchen viele [berechtigte] Zweifel auf und die gestrigen Ankündigungen bekannter Netzpersonen, dass sie ihr/e blog/Webseite schließen werden, macht die Sache nicht leichter. Fakt ist, dass eine Schließung des eigenen Webangebots etwas über die Ziellinie schießt und „klein beigeben“ wohl eher nicht in Frage kommt. Und als Protest ist das doch auch wenig sinnvoll. Dann lieber frontal in die Fresse. :>
Archiv des Autors: fooza
Ab 18 oder 18:00 Uhr?
Wahrscheinlich wird ab dem 1.1.2011 die Novellierung des JMStV in Kraft treten, wenn nicht noch irgendein (verbliebenes) Bundesland der Ratifizierung widerspricht. Das dürfte nach dem derzeitigen Stand aber nicht der Fall sein. Diese Novellierung wird auf längere Sicht deutliche Folgen für Webseiten oder Blogs in DE haben, da (fast) alle Angebote im Netz eine Alterskennzeichnung verwenden werden müssen. Ausgenommen davon sind hinreichend große Angebote „im allgemeinen Interesse“ wie die typischen News-Seiten der großen Verlage oder Seiten wie netzpolitik.org. Für die Alterskennzeichnung ist es nicht ausreichend auf der ersten Seite einen Ab 18-Button zu platzieren. Bei t3n.de wird sehr ausführlich behandelt, was man/frau dazu wissen sollte. Hier wird zwar geraten erstmal abzuwarten, obgleich im Nebensatz gesagt wird, dass es nicht als sicher gilt. Trotzdem kommen aus diversen Ecken schon eindeutige Ansagen zur Schließung des jeweiligen Angebots und ich werde mich mit dem Gedanken zumindest auch auseinandersetzen müssen.
Warum das so schlimm ist? Mit den Worten eines in meinen Augen renommierten Netzpioniers:
Die feuchten Träume werden wahr …
Die bösen nichtkommerziellen, kritischen und schwer zu
kontrollierenden Angebote verschwinden freiwillig aus dem Netz.Es bleibt ein neo-liberales, konsumorientieres Netz, das wie zu
seeligen BTX-Zeiten klar zwischen „Anbieter“ und „Konsumenten“
trennt.Der olle Brecht mit seiner Radiothese und die Vision von einer
mittlerfreien Kommunikation ist damit begraben.Hurra!
/me geht sich übergeben.
Isses so weit?
Politiker sind in meinen Augen kein ehrenswertes Volk, um so mehr wenn sie zu CxU gehören und ihr Ressort das Innere ist. Bosbach ist einer dieser Vertreter und ein anderer ist Kauder. Auf meiner Beliebtheitsskala kommen sehr weit unten Kellerasseln und wenn man die Skala noch mal nach unten verdoppelt, erreicht man irgendwann die Plätze, auf denen solche Experten zu finden sind. Herr Kauder hat allerdings erneut vorgelegt und wahrscheinlich ist auch die komplette CDU-Fraktion auf diesem Niveau zu sehen. „Sensible Regelung“ für eine Beschränkung der eh schon an Krücken gehenden Presse? Warum steht da nicht sofort der Verfassungsschutz vor der Türe um den Typen zu verhaften? Oder sollte man den Herrn mal auf Art. 20 IV GG hinweisen?
Erkenntnis des Tages: Namen sind wertlos
oder eben Schall und Rauch. Das ist insofern nix neues, aber in eine andere Richtung zeigt die Information, dass ein sogenannter Sozialist die Todesschwadronen in Spanien in den 80ern gesteuert hat bzw. an Entscheidungen zum Vorgehen wenigstens beteiligt gewesen ist. Aldo Moro als Christdemokrat ist natürlich genau das Beispiel für die andere Seite. Mit seinen Forderungen hat er sich natürlich den Unmut aus vielen Ecken zugezogen und wurde letztendlich von den Roten Brigaden ermordet (obwohl da die Frage der Beteiligung der Geheimdienste immer noch unbeantwortet ist).
Bah, Winter!
Treffer, versenkt!?
Ich kann dieses Transparenzgesülze in Zusammenhang mit wikileaks (derzeit dysfunktional) nicht mehr hören/lesen. Da schwingen sich alle paar Minuten irgendwelche selbsternannten Demokratiefreunde auf, um die Initiative schlecht zu reden. Auf-dem-Boden-liegende lassen sich auch besser treten, nicht wahr? Zu wenig Transparenz, zu viel Diktatur seitens Assange, zu viel brach liegende, der Veröffentlichung harrende Dokumente – natürlich sind das Kritikpunkte, die es zu diskutieren gibt, aber nicht in dieser Nachtritt-Manier. Mich beschleicht auch der Verdacht, dass bei nicht wenigen Journalisten der Verstand der Emotion gewichen ist. Wikileaks war schon immer so was zwielichtiges, die machen, was ich nicht kann/darf/will/whatever.
Ich denke, dass die US-Nachrichtendienste (und nicht nur die) mehr als nur eine Strategie zur gezielten Störung verfolgt haben (würde wohl jeder mit etwas Weitsicht so tun) und wenn es eine weitere gab, beispielsweise die öffentliche Diskreditierung des gesamten Projekts, muss man jetzt zu dem Schluss kommen, dass der Verlauf der Maßnahmen als erfolgreich zu bezeichnen ist. Zum Kotzen!
Nachtrag: Das Bild in der Presse ist in meinen Augen derzeit, dass sich im Augenblick die meisten Leute mit der Einrichtung wikileaks beschäftigen, aber nicht mehr mit den veröffentlichten Dokumenten. Im Gegenteil. Da die Organisation an vielen Stellen als dubios beschrieben wird, zählt das automatisch auch für die veröffentlichten Dokumente.
