Nennt man Feedback

Durch die Diskussion von SOPA/PIPA im Repräsentantenhaus, kriegt das Thema offensichtlich viel mehr Presse und ist deutlich in das Blickfeld vieler Amerikaner gerückt. Darum kriegen jetzt Unterstützer der Initiativen den entsprechenden Gegenwind, so zum Beispiel godaddy, die gerade dabei zusehen können, wie sich der entsprechende Frust ihrer Kunden in Boykott wandelt. Wie man auf dailychanges.com beobachten kann, ist die Gesamtzahl der Domains rückläufig, weil mehr registrierte Namen an andere Registrare übertragen oder gleich komplett gelöscht werden als Neue hinzukommen. In relativen Zahlen ist das zwar eine Mücke am Hintern des Elefanten (täglicher Verlust: 0.05% [16k von 32M]), aber in Dollars ausgedrückt, dürfte das schon sichtbar werden. Und dabei ist heute Sonntag, noch dazu in den Weihnachtsferien. Wer weiß was an den nächsten Wochentagen noch passieren kann, wenn godaddy bei seiner Meinung bleibt. Es gab zwar eine offizielle Meldung in den Supportforen, dass sie das nicht länger tun, aber das wurde von einigen Leuten schon als PR-Nebel bezeichnet.

SOPA: es sieht finster aus

Die öffentliche Diskussion über ProtectIP und SOPA scheint irgendwie gerade erst in’s Rollen zu kommen, jedenfalls fühlt sich das so an, wenn man die letzten Tage verfolgt hat. Ich hab das bis jetzt nur über die EFF-Artikel und boingboing (zur Zeit etwas zäh beim Laden) mitbekommen, die unter anderem den Scan einer ganzseitigen NYT-Protestanzeige der größten Internetfirmen zeigen. Heute ist ja auch American Censorship Day. Die Seite listet ein erstaunliche Mischung an Unterstützern auf. Da gibt es auch eine klare Infografik, die zB. die Unterstützer-Situation beider Gesetze im jeweiligen Gremium (in einem der beiden sitzen u.a. auch solche Leute, als Volksvertreter) visualisiert: http://americancensorship.org/

(Bild: americancensorship.org)

Man kann nur hoffen, dass sich die Situation bei den Unterstützer noch dreht. Nicht auszumalen, was das insgesamt für das Netz, für die Amerikaner aber auch viele andere Länder bedeutet. Und ich bin gespannt, welche Formen der Protest noch annehmen wird. In der Vorstellung sind noch ganz andere Mittel möglich, als Zeitungsanzeigen oder Webseiten.

Nach PROTECT-IP auch noch SOPA

Im dritten Teil einer Serie von Artikeln zum „Stop Online Piracy Act“-Gesetzesvorschlag nennt EFF ein paar ausgewählte Gründe, warum niemand außer einigen Leuten im amerikanischen Congress und der Content-Mafia dieses Gesetz haben will. Der Vorschlag versucht nicht nur die Einführung von blacklists für DNS voran zu bringen, nein, er stellt auch noch Software-Entwicklern und Programmierern Strafen in Aussicht, wenn eine von ihnen geschriebene Software dazu dient, diese Sperren zu umgehen. Nicht einfach nur die direkte Umgehung, sondern auch jedwede Software, die von Haus aus dazu geeignet ist Zensur zu umgehen. SSH, VPN oder Proxies stehen nach Einschätzung der EFF alle auf der Liste der möglicherweise in Zukunft verbotenen Dinge. Das ist so absurd, dass man vorsichtig hoffen darf, dass der Vorschlag so nie Wirklichkeit wird. Es wird sich zeigen, wie viel Optimismus man heute (noch) haben darf. (via boing boing)

Doch nicht alles schlecht in DE?

In den Kommentaren zu einem Artikel bei heise, der sich mit dem „Verbiegen“ von DNS-Antworten durch den eigenen Provider befasst, schildert ein Leser die aktuelle Situation in Kanada. Da gibts nur zwei große Provider, die sich den Markt mehr oder weniger teilen (mit allen negativen Konsequenzen). Da wird (zumindest bei einem der Beiden) ohne Bedenken eine Anfrage nach www.tagesschau.de auf einen eigenen Server umgeleitet. Pfui deibel, fällt mir da nur ein. Die Details zu weiteren Schandtaten werden noch finsterer.