Urheberrechtsidiotie wohin man auch schaut

Ach man, selbst Kabarettfreunden und -freudinnen vergeht da das Lachen. Ein regelmäßig mit neuem Material aufgefrischter utube-Kanal stellt seine Tätigkeit weitestgehend ein, weil er Drohbriefe der Aasfresser^w Rechterverwerter bekam. Das ist neben den ganzen sonstigen Urheberrechtsstuss der letzten Jahre auch nur ein winziges Häufchen Schmutz, trotzdem wiegt das schwer, dass es selbst aus dieser Ecke solche Anwandlungen gibt. Gerade weil der Großteil (oder alle?) der eingestellten Videos aus Mitschnitten von Programmen öffentlich-rechtlicher Sender besteht, fällt es schwer das zu akzeptieren.

Der Betreiber und Hochlader des Kanals schreibt zu dem Vorgang selbst:

Achtung,

dieser Kanal ist DICHT! Seine mehr als 200 öffentlich-rechtlichen Sendungen werden nur noch für private Zwecke genutzt, weil ein gewisser Teil der Kabarettindustrie beschlossen hat, daß sie keinen Humor versteht und Fans lieber mit Füßen tritt statt sich über diesen Kanal mit ihnen zu verbünden und Werbung für sich zu machen.

Ich danke dem Management von Olaf Schubert, die sich fair verhalten und ihren Entfernungswunsch (Olaf TV: Erhältlich auf DVD, sehr empfehlenswert!) KOMMUNIZIERT haben statt wild um sich zu schlagen.

Leider (noch) die Ausnahme von der Regel.

Viel Spaß anderswo, adios!

 

Mehr findet sich in den Kommentaren.

 

 

Diesen Patentschwachsinn beerdigen

ich bin es leid, überdrüssig, fast jeden Tag der vergangenen Wochen und Monate eine neue Meldung aus den Patentkriegen zu lesen. Natürlich gilt wie so oft: vielleicht wäre es einfacher die eigene Filterbandbreite zu verändern und diesen Stuss zu ignorieren. Wenn man allerdings viele Informationsquellen aus dem Technikbereich konsumiert, ist es schwer, nicht darüber zu stolpern, Überschriften reichen da schon aus.

Ich kann das nicht mehr sehen, dass sich diese Firmen wegen (teilweise) unsäglich trivialen Patenten gegenseitig mit Anwälten und deren Papierstapeln bewerfen, Gerichte belästigen und sich gegenseitig den Verkauf/Vertrieb erschweren. Die Patenten zugrunde liegende Idee des InnovationsInvestitionsschutzes halte ich (immer noch) für wichtig, aber  ihre derzeitige Implementation, speziell die Amerikanische, ist mehr als überholungsbedürftig. Eigentlich sollte der ganze Stumpfsinn für Techniken, deren Lebenszyklus kürzer als die Patentbeantragung dauert, gleich komplett entsorgt werden. Dann gibt’s auch keine Diskussionen mehr darüber, was eine technische Neuerung letztlich ist.

Aber vielleicht endet das alles auch in absehbarer Zukunft von ganz allein. Wenn die Hauptbeteiligten sich derart tief in die Streitigkeiten verstrickt haben, dass sie den Überblick verlieren, den Überblick über die dafür eingesetzten Finanzmittel und den Überblick dafür was wichtiger ist: der Aktionär oder der Kunde.

Nennt man Feedback

Durch die Diskussion von SOPA/PIPA im Repräsentantenhaus, kriegt das Thema offensichtlich viel mehr Presse und ist deutlich in das Blickfeld vieler Amerikaner gerückt. Darum kriegen jetzt Unterstützer der Initiativen den entsprechenden Gegenwind, so zum Beispiel godaddy, die gerade dabei zusehen können, wie sich der entsprechende Frust ihrer Kunden in Boykott wandelt. Wie man auf dailychanges.com beobachten kann, ist die Gesamtzahl der Domains rückläufig, weil mehr registrierte Namen an andere Registrare übertragen oder gleich komplett gelöscht werden als Neue hinzukommen. In relativen Zahlen ist das zwar eine Mücke am Hintern des Elefanten (täglicher Verlust: 0.05% [16k von 32M]), aber in Dollars ausgedrückt, dürfte das schon sichtbar werden. Und dabei ist heute Sonntag, noch dazu in den Weihnachtsferien. Wer weiß was an den nächsten Wochentagen noch passieren kann, wenn godaddy bei seiner Meinung bleibt. Es gab zwar eine offizielle Meldung in den Supportforen, dass sie das nicht länger tun, aber das wurde von einigen Leuten schon als PR-Nebel bezeichnet.

SOPA vor Abstimmung

Wie netzpolitik.org berichtet, steckt der Sondermüll SOPA gerade in der Vorbereitungsphase der Abstimmung und wird im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses diskutiert. Vermutlich kann niemand genau sagen, wie lange sich das hinziehen wird, aber auf das Ergebnis werden nicht wenige Leute gespannt warten, unabhängig davon, wie es ausgeht. Mit einem sehr indirekten Blick auf die Situation ist es schwer zu erahnen, was da herauskommt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass SOPA scheitert, nur um für die nicht viel weniger stumpfsinnige Idee in Form von ProtectIP die Bahn frei zu machen.

SOPA: es sieht finster aus

Die öffentliche Diskussion über ProtectIP und SOPA scheint irgendwie gerade erst in’s Rollen zu kommen, jedenfalls fühlt sich das so an, wenn man die letzten Tage verfolgt hat. Ich hab das bis jetzt nur über die EFF-Artikel und boingboing (zur Zeit etwas zäh beim Laden) mitbekommen, die unter anderem den Scan einer ganzseitigen NYT-Protestanzeige der größten Internetfirmen zeigen. Heute ist ja auch American Censorship Day. Die Seite listet ein erstaunliche Mischung an Unterstützern auf. Da gibt es auch eine klare Infografik, die zB. die Unterstützer-Situation beider Gesetze im jeweiligen Gremium (in einem der beiden sitzen u.a. auch solche Leute, als Volksvertreter) visualisiert: http://americancensorship.org/

(Bild: americancensorship.org)

Man kann nur hoffen, dass sich die Situation bei den Unterstützer noch dreht. Nicht auszumalen, was das insgesamt für das Netz, für die Amerikaner aber auch viele andere Länder bedeutet. Und ich bin gespannt, welche Formen der Protest noch annehmen wird. In der Vorstellung sind noch ganz andere Mittel möglich, als Zeitungsanzeigen oder Webseiten.

Nach PROTECT-IP auch noch SOPA

Im dritten Teil einer Serie von Artikeln zum „Stop Online Piracy Act“-Gesetzesvorschlag nennt EFF ein paar ausgewählte Gründe, warum niemand außer einigen Leuten im amerikanischen Congress und der Content-Mafia dieses Gesetz haben will. Der Vorschlag versucht nicht nur die Einführung von blacklists für DNS voran zu bringen, nein, er stellt auch noch Software-Entwicklern und Programmierern Strafen in Aussicht, wenn eine von ihnen geschriebene Software dazu dient, diese Sperren zu umgehen. Nicht einfach nur die direkte Umgehung, sondern auch jedwede Software, die von Haus aus dazu geeignet ist Zensur zu umgehen. SSH, VPN oder Proxies stehen nach Einschätzung der EFF alle auf der Liste der möglicherweise in Zukunft verbotenen Dinge. Das ist so absurd, dass man vorsichtig hoffen darf, dass der Vorschlag so nie Wirklichkeit wird. Es wird sich zeigen, wie viel Optimismus man heute (noch) haben darf. (via boing boing)