Der Stumpfsinn mit der Haftung

Man kann es eigentlich nicht oft genug und laut genug wiederholen: wann immer eine Diskussion zu den angeblichen Nachteilen von Open Source Software stattfindet, wird das Argument gebracht, dass die Haftungsfrage nicht oder nur schwer beantwortbar ist – das ist natürlich ziemlicher Blödsinn. Wenn es ein gemeinsames Detail gibt, welches proprietäre und offene Software verbindet – wenn sie hauptsächlich dem angelsächsischen Sprachraum entstammt – ist es die Ablehnung jeglicher Haftung. Sowohl in den Lizenzverträgen gängiger proprietärer Software als auch in den Nutzungsbestimmungen vieler FOSS-Projekte steht klar drin, dass der Hersteller oder die Community keine Haftung übernehmen.

Natürlich kann der Einspruch erhoben werden, dass eine Firma vor einem Gericht zu Verantwortung gezogen werden kann, was bei einer lose erscheinenden Gruppierung von Programmierern und Mitarbeitern eines FOSS-Projektes nicht so einfach erscheint. Allerdings ist das kein Argument für die ursprüngliche Diskussion und insofern ist die Haftungsfrage als Hinderungsgrund für den Einsatz quelloffener Software immer eine Nebelkerze.

Juristen sehen das vielleicht als zu stark vereinfachend an. Mag sein, ändert trotzdem nix am schlechten Charakter solcher Argumente.

 

 

 

 

Urheberrechtsidiotie wohin man auch schaut

Ach man, selbst Kabarettfreunden und -freudinnen vergeht da das Lachen. Ein regelmäßig mit neuem Material aufgefrischter utube-Kanal stellt seine Tätigkeit weitestgehend ein, weil er Drohbriefe der Aasfresser^w Rechterverwerter bekam. Das ist neben den ganzen sonstigen Urheberrechtsstuss der letzten Jahre auch nur ein winziges Häufchen Schmutz, trotzdem wiegt das schwer, dass es selbst aus dieser Ecke solche Anwandlungen gibt. Gerade weil der Großteil (oder alle?) der eingestellten Videos aus Mitschnitten von Programmen öffentlich-rechtlicher Sender besteht, fällt es schwer das zu akzeptieren.

Der Betreiber und Hochlader des Kanals schreibt zu dem Vorgang selbst:

Achtung,

dieser Kanal ist DICHT! Seine mehr als 200 öffentlich-rechtlichen Sendungen werden nur noch für private Zwecke genutzt, weil ein gewisser Teil der Kabarettindustrie beschlossen hat, daß sie keinen Humor versteht und Fans lieber mit Füßen tritt statt sich über diesen Kanal mit ihnen zu verbünden und Werbung für sich zu machen.

Ich danke dem Management von Olaf Schubert, die sich fair verhalten und ihren Entfernungswunsch (Olaf TV: Erhältlich auf DVD, sehr empfehlenswert!) KOMMUNIZIERT haben statt wild um sich zu schlagen.

Leider (noch) die Ausnahme von der Regel.

Viel Spaß anderswo, adios!

 

Mehr findet sich in den Kommentaren.

 

 

Diesen Patentschwachsinn beerdigen

ich bin es leid, überdrüssig, fast jeden Tag der vergangenen Wochen und Monate eine neue Meldung aus den Patentkriegen zu lesen. Natürlich gilt wie so oft: vielleicht wäre es einfacher die eigene Filterbandbreite zu verändern und diesen Stuss zu ignorieren. Wenn man allerdings viele Informationsquellen aus dem Technikbereich konsumiert, ist es schwer, nicht darüber zu stolpern, Überschriften reichen da schon aus.

Ich kann das nicht mehr sehen, dass sich diese Firmen wegen (teilweise) unsäglich trivialen Patenten gegenseitig mit Anwälten und deren Papierstapeln bewerfen, Gerichte belästigen und sich gegenseitig den Verkauf/Vertrieb erschweren. Die Patenten zugrunde liegende Idee des InnovationsInvestitionsschutzes halte ich (immer noch) für wichtig, aber  ihre derzeitige Implementation, speziell die Amerikanische, ist mehr als überholungsbedürftig. Eigentlich sollte der ganze Stumpfsinn für Techniken, deren Lebenszyklus kürzer als die Patentbeantragung dauert, gleich komplett entsorgt werden. Dann gibt’s auch keine Diskussionen mehr darüber, was eine technische Neuerung letztlich ist.

Aber vielleicht endet das alles auch in absehbarer Zukunft von ganz allein. Wenn die Hauptbeteiligten sich derart tief in die Streitigkeiten verstrickt haben, dass sie den Überblick verlieren, den Überblick über die dafür eingesetzten Finanzmittel und den Überblick dafür was wichtiger ist: der Aktionär oder der Kunde.

Unwissenheit schützt oft doch vor Strafe

Also zumindest oft genug um diesen meistens in entsprechenden Diskussionen auftauchenden Anachronismus endlich mal zu entsorgen. Nicht nur mir ist diese Tatsache spätestens seit der Lektüre des Lexikons der Rechtsirrtümer von Ralf Höcker bekannt, allerdings sind mir seine dazu aufgeführten Beispiele schon längst wieder entfallen (mal wieder rauskramen!). Ein aktuelles und interessantes Beispiel kommt aus einer Ecke, die Vielen einen kalten Schauer über den Rücken jagt: Filesharing-Abmahnungen. Das OLG in Düsseldorf gesteht einer Abgemahnten dieses Nichtwissen zu und ermöglicht ihr so Prozesskostenbeihilfe. Die abmahnende Kanzlei hat wohl etwas leichtfertig gehandelt und der Abgemahnten den konkreten Anlass vorenthalten, was vom OLG gerügt wurde.

Die sachliche Einordnung in das Arsenal der Mittel solch einer Diskussion nennt sich dann Bestreiten durch Nichtwissen und ist in der Zivilprozessordnung zu finden.

Nennt man Feedback

Durch die Diskussion von SOPA/PIPA im Repräsentantenhaus, kriegt das Thema offensichtlich viel mehr Presse und ist deutlich in das Blickfeld vieler Amerikaner gerückt. Darum kriegen jetzt Unterstützer der Initiativen den entsprechenden Gegenwind, so zum Beispiel godaddy, die gerade dabei zusehen können, wie sich der entsprechende Frust ihrer Kunden in Boykott wandelt. Wie man auf dailychanges.com beobachten kann, ist die Gesamtzahl der Domains rückläufig, weil mehr registrierte Namen an andere Registrare übertragen oder gleich komplett gelöscht werden als Neue hinzukommen. In relativen Zahlen ist das zwar eine Mücke am Hintern des Elefanten (täglicher Verlust: 0.05% [16k von 32M]), aber in Dollars ausgedrückt, dürfte das schon sichtbar werden. Und dabei ist heute Sonntag, noch dazu in den Weihnachtsferien. Wer weiß was an den nächsten Wochentagen noch passieren kann, wenn godaddy bei seiner Meinung bleibt. Es gab zwar eine offizielle Meldung in den Supportforen, dass sie das nicht länger tun, aber das wurde von einigen Leuten schon als PR-Nebel bezeichnet.

SOPA vor Abstimmung

Wie netzpolitik.org berichtet, steckt der Sondermüll SOPA gerade in der Vorbereitungsphase der Abstimmung und wird im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses diskutiert. Vermutlich kann niemand genau sagen, wie lange sich das hinziehen wird, aber auf das Ergebnis werden nicht wenige Leute gespannt warten, unabhängig davon, wie es ausgeht. Mit einem sehr indirekten Blick auf die Situation ist es schwer zu erahnen, was da herauskommt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass SOPA scheitert, nur um für die nicht viel weniger stumpfsinnige Idee in Form von ProtectIP die Bahn frei zu machen.