{"id":889,"date":"2013-06-28T17:33:05","date_gmt":"2013-06-28T16:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/?p=889"},"modified":"2013-07-01T14:56:20","modified_gmt":"2013-07-01T13:56:20","slug":"der-seltsame-fall-des-barrett-brown","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/2013\/06\/der-seltsame-fall-des-barrett-brown\/","title":{"rendered":"Der seltsame Fall des Barrett Brown"},"content":{"rendered":"<p>Autor: <a href=\"http:\/\/www.thenation.com\/authors\/peter-ludlow\" target=\"_blank\">Peter Ludlow<\/a> &#8211; ver\u00f6ffentlicht: 18.Juni 2013 bei <a href=\"http:\/\/www.thenation.com\/article\/174851\/strange-case-barrett-brown%23axzz2X9RMrDLN\" target=\"_blank\">The Nation<\/a><\/p>\n<p>(\u00fcbersetzt und ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung seitens The Nation)<\/p>\n<p><strong>Inmitten der Emp\u00f6rung \u00fcber das \u00dcberwachungsprogramm der NSA, deutet die Verurteilung des Journalisten Barrett Brown auf ein tieferes und viel verst\u00f6renderes Problem hin.<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres 2010 arbeitete Barrett Brown an einem Buch \u00fcber politische Publizisten, als das Hacktivisten-Kollektiv Anonymous seine Aufmerksamkeit fesselte. Er begann bald damit \u00fcber dessen Aktivit\u00e4ten und Potential zu schreiben. In einer Verteidigung der Anti-Zensurma\u00dfnahmen der Gruppe in Australien schrieb Brown in einem am 10. Februar ver\u00f6ffentlichtem Artikel: <em>Ich bin mir jetzt sicher, dass dieses Ph\u00e4nomen eines der wichtigsten und unter-repr\u00e4sentiertesten unter den sozialen Bewegungen seit Jahrzehnten ist, und dass die betreffende Entwicklung verspricht die Institution des Nationalstaates anzugreifen und sie vielleicht auch eines Tages als weltweit grundlegende und relevante Methode der menschlichen Organisation zu ersetzen.<\/em><\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt wurde Brown von seinen Fans bereits als der Hunter S. Thompson seiner Generation angesehen. Tats\u00e4chlich war er nicht wie Hunter S. Thompson, sondern hatte mehr von einem Wiederg\u00e4nger aus fr\u00fcheren Zeiten &#8211; ein scharfsinniger, respektloser Journalist und Satiriker vom Schlage eines Ambrose Bierce oder einer Dorothy Parker. Seine scharfe Zunge wurde in dem von ihm mitgeschriebenen und 2007 ver\u00f6ffentlichten Buch &#8222;Flock of Dodos: Behind Modern Creationism, Intelligent Design and the Easter Bunny&#8220; [etwa: Die Trottelherde &#8211; Hintergr\u00fcnde des modernen Kreationismus, Intelligentes Design und der Osterhase] deutlich, in dem er schrieb: <em>Das wird kein h\u00f6fliches Buch. H\u00f6flichkeit ist bei den Unredlichen nicht angebracht, die immer den Vorteil des gutmeinenden Entgegenkommens ausnutzen<\/em>.<\/p>\n<p>Aber es war nicht Browns scharfe Zunge, ebenso wenig seine Liebe zu Details (und die F\u00e4higkeit diese Details zu organisieren und zu erkl\u00e4ren), die ihm letztlich \u00c4rger einbringen w\u00fcrden. Als er sein Buch \u00fcber die Publizisten zugunsten eines Buches \u00fcber Anonymous aufgab, konnte er nicht ahnen, dass das Eintauchen in die Welt der Hacker und Leaks ihn letztendlich mit der Aussicht konfrontieren w\u00fcrde, den Rest seines Lebens im Gef\u00e4ngnis zu verbringen. Im Licht der wie eine Bombe einschlagenden Enth\u00fcllungen zur geheimdienstlichen und privaten Spionage, die von Glenn Greenwald und Barton Gellman ver\u00f6ffentlicht wurden, ist Browns Fall eine gute &#8211; aber l\u00fcckenhaft dokumentierte &#8211; Erinnerung zu den erheblichen Risiken, mit denen Journalisten konfrontiert werden, wenn sie \u00fcber Lecks [Anm.: Lecks und Leaks im weiteren Text mit gleicher Bedeutung] berichten.<\/p>\n<p>Im Februar 2011, ein Jahr nachdem Brown seine Verteidigung von Anonymous verfasste und vor dem Hintergrund der Aktionenen w\u00e4hrend des Arabischen Fr\u00fchlings, behauptete Aaron Barr, Chef des privaten Nachrichtendienstes HBGary, dass er die Anf\u00fchrer der Hacktivisten identifiziert hatte. (Tats\u00e4chlich hatte er nur die Pseudonyme einiger Mitglieder). Barrs Angeberei provozierte einen unmittelbaren Angriff einer Anonymous nahestehenden Gruppe namens &#8222;Internet Feds&#8220; (die bald ihren Namen in &#8222;LulzSec&#8220; \u00e4ndern w\u00fcrde) auf HBGary . Sensationell genug um die Aufmerksamkeit von &#8222;The Colbert Report&#8220; anzuziehen, entstellte und zerst\u00f6rte der Hack Webseiten und Server, die HBGary geh\u00f6rten. Reichlich 70.000 Firmen-Emails wurden runter geladen und online gestellt. In der finalen Stufe der Verh\u00f6hnung wurde sogar der Inhalt von Arron Barrs iPad aus der Ferne gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Der HBGary-Hack mag zur Dem\u00fctigung der Firma gedacht gewesen sein, hatte allerdings den zus\u00e4tzlichen Effekt, dass eine Goldmine von Informationen in Browns Schoss fiel. Eines der ersten Dinge, die er entdeckte, war ein Plan zur Neutralisierung von Glenn Grennwalds Verteidigung von Wikileaks mittels Untergrabung beider Seiten. (&#8222;Ohne die Unterst\u00fctzung von Leuten wie Glenn w\u00fcrde Wikileaks in sich zusammenfallen&#8220; war auf einer Folie zu lesen.) Der Plan sah vor, mittels &#8222;Falschinformationen&#8220; Zwietracht innerhalb der Organisation auszunutzen und offene Rivalit\u00e4t zu sch\u00fcren &#8211; &#8222;erzeugen von Nachrichten zu Aktionen, um die gegnerische Organisation zu sabotieren und zu diskreditieren&#8220;, ebenso wie ein Plan, um falsche Dokumente einzureichen und dann die Fehler bekannt zu machen. Greenwald, so wurde argumentiert, w\u00fcrde &#8222;unter Druck professionelle Zur\u00fcckhaltung statt Anlass w\u00e4hlen&#8220; [professional preservation over cause].<\/p>\n<p>Andere Pl\u00e4ne zielten auf soziale Organisationen und Interessenvertretungen. Unabh\u00e4ngig vom Plan, der Greenwald und Wikileaks zum Ziel hatte, war HBGary Teil eines Konsortiums, dass einen Entwurf zur Entwicklung eines &#8222;Persona Management&#8220;-Systems f\u00fcr die US Air Force eingereicht hatte, dass einem einzelnen Anwender erlauben w\u00fcrde, mehrere Online-Identit\u00e4ten in sozialen Medien zu kontrollieren, um den Eindruck der Unterst\u00fctzung von Graswurzelbewegung oder der Opposition zu einer bestimmten Politik zu erzeugen.<\/p>\n<p>Der Datenberg aus dem HBGary-Hack war so riesig, dass keine einzelne Person ihn allein durchsehen konnte. So entschied sich Brown, den Aufwand zu &#8218;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crowdsourcing\" target=\"_blank\">crowdsourcen<\/a>&#8218;. Er erstellte eine Wiki-Seite, nannte sie ProjectPM und lud andere investigative Journalisten zur Teilnahme ein. Unter Browns Leitung begann die Initiative langsam das Netz an Verbindungen von US-Regierung, Firmen, Lobbyisten und dunklen Gruppen privater Milit\u00e4r- und Informationssicherheitsberater zu entwirren.<\/p>\n<p>Eine Verbindung existierte zwischen der Bank of America [BoA] und der Chamber of Commerce [CoC, Handelskammer]. Wikileaks hatte behauptet einen gro\u00dfen Stapel an Dokumenten zu besitzen, die der Bank of America geh\u00f6rten. Beunruhigt dar\u00fcber, kontaktierte die BoA das US-Justizministerium [DoJ]. Das DoJ verwies sie an die Rechts- und Beratungskanzlei Hunton and Williams, welche Rechtsvertretung f\u00fcr Wells Fargo und General Dynamics ist und auch als Lobbyist f\u00fcr, neben vielen anderen Firmen, Koch Industries, Americans for Affordable Climate Policy, die Gas Processors Association und Entergy t\u00e4tig ist. Das DoJ empfahl, dass die BoA die Kanzlei Hunton and Williams beauftragen sollte, speziell empfahl sie Richard Wyatt als Kontaktperson. Wyatt war als leitender Anwalt im Gerichtsverfahren der Chamber of Commerce [CoC] gegen die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yes_men\" target=\"_blank\">Yes Men<\/a>\u00a0bekannt geworden.<\/p>\n<p>Im November 2010 organisierte Hunton and Williams die Bildung des &#8222;Team Themis&#8220;, bestehend aus einer Zahl privater Nachrichtendienste, Technologieentwicklungs- und Sicherheitsfirmen &#8211; HBGary, Palantir Technologies, Berico Technologies und, nach Angaben von Brown, einer geheimnisvollen Firma mit dem Namen Endgame Systems &#8211; das griechische &#8218;themis&#8216; bedeutet so viel wie &#8222;g\u00f6ttliches Recht&#8220;. Seine Hauptaufgabe war die Diskreditierung von Kritikern der CoC, wie etwa &#8222;Chamber Watch&#8220;, unter Verwendung solcher Taktiken wie dem Erstellen &#8222;falscher Dokumente, etwa zur Hervorhebung regelm\u00e4\u00dfiger finanzieller Ausk\u00fcnfte&#8220;, der Herausgabe an progressive Gruppen, die der CoC kritisch gegen\u00fcberstehen, um darauf folgend die Dokumente als F\u00e4lschungen zu entlarven, um &#8222;zu beweisen, dass bei der Herausgabe von Informationen und\/oder der Wahrheit der Chamber Watch nicht zu trauen ist&#8220;. Zus\u00e4tzlich schlug die Gruppe vor, einen &#8222;falschen Insider&#8220; zu schaffen, um Chamber Watch zu infiltrieren. Sie w\u00fcrden &#8222;zwei falsche Insider schaffen, um Einen wirksam zur Diskreditierung des Anderen zu nutzen, um so die Echtheit des Anderen zu best\u00e4tigen&#8220;. Die ver\u00f6ffentlichten Emails zeigten, dass eine gleichartige Desinformationskampagne gegen Wikileaks und Glenn Greenwald geplant gewesen war.<\/p>\n<p>Es war Brown klar, dass dies Aktionen zweifelhafter Legalit\u00e4t waren, aber dar\u00fcber hinaus waren es Unternehmen mit Regierungsauftrag, die versuchten die Redefreiheit der Amerikaner zu untergraben &#8211; mit offensichtlichem Segen des Justizministeriums. Eine Gruppe demokratischer Kongress-Abgeordneter beantragte eine Untersuchung dieser Organisation, blieb aber erfolglos.<\/p>\n<p>Zum Juni 2011 hatte sich die Handlung weiter verdichtet. Das FBI hatte eine Spur zum Anf\u00fchrer von LulzSec, einem Hector Xavier Monsegur, der unter dem Pseudonym Sabu auftrat. Das FBI verhaftete ihn am 7. Juni 2011 und machte ihn, Gerichtsunterlagen zufolge, am n\u00e4chsten Tag zum Informanten. Nur drei Tage vor seiner Verhaftung hatte Sabu eine zentrale Rolle bei der Bildung einer neuen Gruppierung namens AntiSec, die aus ehemaligen LulzSec-Mitgliedern bestand, wie auch aus Mitgliedern von Anonymous. Anfang Dezember hackte AntiSec die Webseite der privaten Sicherheitsfirma Stratfor Global Intelligence. An Heiligabend ver\u00f6ffentlichte die Gruppe eine Fundgrube von ca. 5 Millionen interner Firmen-Emails. AntiSec-Mitglied und Aktivist Jeremy Hammond aus Chicago bekannte sich zu diesem Angriff und sieht einer 10-j\u00e4hrigen Haftstrafe entgegen.<\/p>\n<p>Die Inhalte des Stratfor-Lecks waren sogar noch emp\u00f6render als die des HBGary-Hacks. Sie beinhalteten die Diskussion zu M\u00f6glichkeiten der illegalen Auslieferung und T\u00f6tung. Zum Beispiel schlug der Vizepr\u00e4sident f\u00fcr den Bereich Nachrichtendienste von Stratfor, Fred Burton, in einem Video vor, Nutzen aus dem Chaos in Libyen zu ziehen und mit dem Lockerbie-Bomber Abdelbaset al-Megrahi abzurechnen [to render him], der aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnde wegen seiner unheilbaren Krankheit aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen worden war. Burton sagte, dass es ein &#8222;pers\u00f6nlicher&#8220; Fall war. Eine Person verwies in einer Email darauf, dass so eine Aktion nahezu sicher illegal sei &#8211; &#8222;Dieser Mann hatte ein Gerichtsverfahren, wurde f\u00fcr schuldig befunden, verurteilt&#8230; und hat gesessen&#8220; &#8211; ein anderer Stratfor-Mitarbeiter entgegnete, dass das gerade ein Argument f\u00fcr eine viel effizientere L\u00f6sung war: &#8222;Ein Grund mehr, ihn mit einer Hellfire auszuknipsen :-)&#8220;.<\/p>\n<p>(Stratfor-Angestellte hatten au\u00dferdem ein lebhaftes Interesse an Jeremy Scahills Artikel \u00fcber Blackwater in &#8222;The Nation&#8220;, kopierten und verteilten ganze Artikel, mit Kommentaren, die ein grundlegendes Interesse an der Frage nahe legten, ob Blackwater eine konkurrierende nachrichtendienstliche Abteilung aufbaute. Die Emails zeigten auch einen widerwilligen Respekt f\u00fcr Scahill: &#8222;Man kann Scahills Position (oder das Ergebnis seiner Arbeit) m\u00f6gen oder nicht, er macht einen erstaunlichen Job beim Blo\u00dfstellen [von Blackwater].&#8220;)<\/p>\n<p>Als die Inhalte des Stratfor-Lecks verf\u00fcgbar wurden, entschied sich Brown dazu, ProjectPM darauf anzusetzen. Ein Link auf den Stratfor-Datenberg erschien in einem Chat-Kanal von Anonymous; Brown kopierte ihn und f\u00fcgte ihn in einen nicht-\u00f6ffentlichen Chat-Kanal von ProjectPM ein, um die Aufmerksamkeit der Mitstreiter darauf zu lenken.<\/p>\n<p>Brown begann, sich Endgame Systems genauer anzuschauen, eine Firma f\u00fcr Informationssicherheit, die anscheinend speziell darauf bedacht war im Hintergrund zu bleiben. &#8222;Bitte macht HBGary deutlich, dass wir unseren Namen niemals in einer Pressemitteilung sehen wollen&#8220;, so der Inhalt einer der \u00f6ffentlich gewordenen Emails. Eines ihrer Produkte, verf\u00fcgbar gegen einen Jahresbeitrag von $2.5 Millionen, gab Kunden Zugang zu &#8222;zero-day exploits&#8220; &#8211; Sicherheitsl\u00fccken, die dem Software-Hersteller bislang unbekannt sind &#8211; f\u00fcr Computersysteme auf der ganzen Welt. Das Magazin Business Week ver\u00f6ffentlichte 2011 einen Beitrag zu Endgame, der beschrieb: &#8222;Endgame Manager werden Karten von Flugh\u00e4fen, Parlamentsgeb\u00e4uden und Firmengeb\u00e4uden hervorbringen. Die Manager erstellen dann eine Liste von Computern, die im Inneren der Einrichtungen laufen, inklusive der darauf laufenden Software, und ein Men\u00fc der gegen diese Systeme einsetzbaren Attacken&#8220;. F\u00fcr Brown stellte sich die Frage, ob Endgame diese Exploits an ausl\u00e4ndische Gegenspieler verkaufte und ob diese gegen Computersysteme in den Vereinigten Staaten eingesetzt wurden. Kurz danach fiel der Hammer.<\/p>\n<p>Das FBI beantragte eine richterliche Anordnung f\u00fcr Browns Laptop, bekam damit die Befugnis zur Beschlagnahme aller Informationen im Zusammenhang mit HBGary, Endgame Systems, Anonymous und, am meisten absehbar, &#8222;Emails, Email-Kontakte, Chats, Logs von Direktnachrichten, Bilder und Schriftwechsel&#8220;. Mit anderen Worten, das FBI war\u00a0auf seine Quellen aus.<\/p>\n<p>Als das FBI mit dem Beschluss bei Brown auftauchte, befand sich dieser im Haus seiner Mutter. Die Agenten kamen mit einem Beschluss zur Durchsuchung des Hauses seiner Mutter zur\u00fcck und bekamen seinen Laptop. Um den Druck auf Brown zu erh\u00f6hen, veranlasste das FBI Anklage gegen seine Mutter wegen Behinderung der Justiz, weil sie seinen Laptop im Haus versteckte. (Konfrontiert mit dem Tatvorwurf, bekannte sich seine Mutter, Karen McCutchin, am 22. M\u00e4rz 2013 schuldig in einem Anklagepunkt, der Behinderung der Ausf\u00fchrung des Durchsuchungsbeschlusses. Sie sieht sich einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten gegen\u00fcber. Brown bestand darauf, dass sie nicht wusste, dass der Laptop in ihrem Haus war.)<\/p>\n<p>Wie er selbst zugab, drehte Brown aufgrund der Aktion des FBI gegen seine Mutter durch. Im September 2012 lud er ein zusammenhangsloses Video bei youtube hoch, in welchem er erkl\u00e4rte, dass er wegen Heroinabh\u00e4ngigkeit in Behandlung gewesen war und das Medikament Suboxon eingenommen hatte, aber dieses abgesetzt hatte und unter Entzug litt. Er bedrohte den FBI-Agenten, der seine Mutter schikaniert hatte, pers\u00f6nlich\u00a0und warnte:<\/p>\n<p>&#8222;Ich weiss was legal ist, ich weiss was mir angetan wurde&#8230; Und wenn es legal ist, was mir angetan wurde, dann wird es auch legal sein, wenn es dem FBI-Agenten Robert Smith angetan wird &#8211; der ein Krimineller ist.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Daher ist das Leben des [FBI-Spezialagenten] Robert Smith vorbei. Und wenn ich sage, sein Leben ist vorbei, dann sage ich nicht, dass ich ihn t\u00f6ten werde, aber ich werde sein Leben ruinieren und mir seine verdammten Kinder vornehmen&#8230; Na, was h\u00e4ltst du davon? [How do you like them apples?]&#8220;<\/p>\n<p>Das Narrativ in den Medien entgleiste umgehend. Es war nicht l\u00e4nger eine Geschichte \u00fcber den geheimen Informations-Milit\u00e4r-Industriekomplex; jetzt war es eine schmutzige Geschichte \u00fcber einen verr\u00fcckten Drogenabh\u00e4ngigen, der einen FBI-Agenten und seine (erwachsenen) Kinder bedrohte. Wirkliche Gewaltandrohung gegen Agenten werden oft mit einigen Jahren Haft bestraft. Aber Browns T\u00e4tigkeiten machten es dem FBI einfacher, einen anderen Vorwand ins Spiel zu bringen, um ihn lebensl\u00e4nglich wegzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Stratfor-Daten enthielten eine Reihe unverschl\u00fcsselter Kreditkartennummern und Validierungscodes. Auf dieser Basis beschuldigte das DoJ Brown des Kreditkartenbetrugs wegen der Weitergabes des Links im Forum von ProjectPM. Genauer, das FBI klagte ihn wegen des Handels mit gestohlenen Kreditkartendaten, Zugangsger\u00e4temissbrauchs und schweren Diebstahls von Personendaten an, weiterhin wegen Strafvereitelung (daf\u00fcr, dass er bei der Zustellung des urspr\u00fcnglichen Beschlusses im Haus seiner Mutter war [und nicht in seinem Haus]) und aufgrund der Drohungen gegen den FBI-Agenten. Insegesamt erwartet Brown ein Jahrhundert Gef\u00e4ngniszeit: 105 Jahre in einem Bundesgef\u00e4ngnis bei zusammenh\u00e4ngender Strafzeit. Eine Kaution wurde ihm verweigert.<\/p>\n<p>In Anbetracht dessen, dass die Person, die den eigentlichen Stratfor-Hack durchgef\u00fchrt hat, mehrere Vorstrafen hatte und ein Maximum von 10 Jahren erwartete, ist der unausweichliche Schluss der, dass das Problem nicht der Hack selbst, sondern Browns Berichterstattung war. Wie Glenn Greenwald im Guardian anmerkte: &#8222;Es ist nahezu unm\u00f6glich zu dem Schluss zu kommen, dass die unversch\u00e4mt \u00fcberzogene Anklage, der er sich stellen muss, nichts mit der Berichterstattung oder dem damit verbundenem Aktivismus zu tun hat.&#8220;<\/p>\n<p>Mittlerweile ist Brown im Gef\u00e4ngnis und ProjectPM befindet sich unter verst\u00e4rkter Kontrolle seitens des DoJ, obwohl dessen Arbeit zum Stillstand gekommen ist. Im M\u00e4rz erzwang das DoJ unter Strafandrohung gegen den Hostingprovider CloudFlare eine Herausgabe aller Daten zur ProjectPM-Webseite und im Speziellen erzwang es eine Preisgabe der IP-Adressen von jedem, der Zugang zu ProjectPM hatte und daran mitgearbeitet hat, mit der Beschreibung, dass es ein &#8222;Forum&#8220; ist, dass Brown und Andere nutzen, um &#8222;sich beim Begehen einer Straftat online zu beteiligen, zu unterst\u00fctzen oder es zu erm\u00f6glichen.&#8220; Die Nachricht war klar: Jeder andere, der sich mit diesem Sachverhalt besch\u00e4ftigt, geht ein erhebliches Risiko ein.<\/p>\n<p>Einige Journalisten sind jetzt verst\u00e4ndlicherweise besorgt, sich den Stratfor-Daten zu n\u00e4hern. Die allgemeinen Auswirkungen gehen viel weiter als bis zu Brown; man mag denken, dass wir auf Cointelpro 2.0 schauen &#8211; ein ausgelagerter \u00dcberwachungsstaat &#8211; tats\u00e4chlich ist es viel schlimmer. Man kommt nicht umhin daraus zu folgern, dass das US-Justizministerium nur ein weiterer Auftragsnehmer f\u00fcr Sicherheit geworden ist, Seite an Seite mit den HBGarys und Stratfors im Auftrag der kommerziellen Interessenten, ohne jegliches Gesp\u00fcr f\u00fcr die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit ihrer Aktionen; sie arbeiten f\u00fcr den Schutz der Konzerne und der privaten Sicherheitsdienstleister, gegen die normalen B\u00fcrger und deren Interessenvertretungen. Die schiere Tatsache, dass der Leiter f\u00fcr Cyber-Sicherheit des FBI erst k\u00fcrzlich zu Hunton and Williams wechselte, zeigt, wie inzest\u00f6s diese Beziehung geworden ist. Zwischenzeitlich verwendet das DoJ seine Macht auch dazu, auf den Rechten normaler B\u00fcrger wie Barrett Brown herumzutrampeln, die Licht auf diese sch\u00e4ndlichen Beziehungen werfen wollen. Um diejenigen zu neutralisieren, die das System hinterfragen oder untersuchen, werden Gesetze re-interpretiert oder ausgedehnt oder andererseits in einer Weise unterschlagen, die l\u00e4cherlich ist &#8211; oder l\u00e4cherlich w\u00e4re, wenn die Konsequenzen nicht so furchtbar sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Medien und der Gro\u00dfteil der Welt aufgrund der Enth\u00fcllungen zu den Spionageprogrammen der NSA verst\u00e4ndlicherweise entr\u00fcstet ist, war Barrett Browns Arbeit das Aufzeigen des viel tiefer liegenden Problems. Es ist kein Problem der Art, das sich mit dem \u00c4ndern einiger Gesetze oder der Absetzung einiger Staatsanw\u00e4lte reparieren l\u00e4sst. Es ist kein Problem schlechter Gesetze oder schlechter Staatsanw\u00e4lte. Was der Fall Barrett Brown aufdeckt ist, dass wir mit einem g\u00e4nzlich anderem Problem konfrontiert sind. Es ist ein systematisches Problem. Es ist das Versagen der Rechtsstaatlichkeit.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>[update 1.7.13: Korrekturen eingepflegt]<\/p>\n<p>[Disclaimer: ich bin kein ausgebildeter \u00dcbersetzer; der Text enth\u00e4lt sicher den ein oder anderen Fehler, daher bitte ich um Nachsicht; Korrekturvorschl\u00e4ge nehme ich gerne an]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Peter Ludlow &#8211; ver\u00f6ffentlicht: 18.Juni 2013 bei The Nation (\u00fcbersetzt und ver\u00f6ffentlicht mit freundlicher Genehmigung seitens The Nation) Inmitten der Emp\u00f6rung \u00fcber das \u00dcberwachungsprogramm der NSA, deutet die Verurteilung des Journalisten Barrett Brown auf ein tieferes und viel verst\u00f6renderes &hellip; <a href=\"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/2013\/06\/der-seltsame-fall-des-barrett-brown\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[110,7],"tags":[237,236,234,235],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/889"}],"collection":[{"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=889"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":904,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/889\/revisions\/904"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}