{"id":476,"date":"2011-11-24T12:56:38","date_gmt":"2011-11-24T11:56:38","guid":{"rendered":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/?p=476"},"modified":"2011-11-24T21:33:18","modified_gmt":"2011-11-24T20:33:18","slug":"die-dynamik-zuruckbekommen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/2011\/11\/die-dynamik-zuruckbekommen\/","title":{"rendered":"Die Dynamik zur\u00fcckbekommen"},"content":{"rendered":"<p>Wie weiter unten schon <a href=\"\/blog\/2011\/11\/internationale-richtlinien-zur-lautstarke-von-rundfunk\/\" target=\"_blank\">angedeutet<\/a>, gibt es bereits seit einiger Zeit <a href=\"http:\/\/tech.ebu.ch\/loudness\/\" target=\"_blank\">Bestrebungen<\/a>, mit einer h\u00e4sslichen Eigenschaft von Privatrundfunk (und eben nicht nur dort) aufzur\u00e4umen. Die Rede ist von der Orientierung der Lautst\u00e4rke an Maximalpegeln. Das kennt man zum Beispiel aus der Situation, wenn man gerade einen Film im tv sieht, vielleicht eine etwas leisere Szene, und im n\u00e4chsten Augenblick kommt ohne Vorwarnung der Werbeblock, der einen von der Lautst\u00e4rke her mehr oder weniger aus dem Sessel <em>bl\u00e4st<\/em>. Viele greifen in dem Augenblick zur Fernbedienung, um die Lautst\u00e4rke zu senken. Die Sender haben immer behauptet, dass das Signal nicht lauter ist. Da kommt aber der oben angesprochene Maximalpegel ins Spiel. Eine Ausrichtung an diesem bedeutet, dass Film und Werbeblock quasi die gleiche Maximallautst\u00e4rke (peak) haben <em>k\u00f6nnen<\/em> bzw. damit ausgestrahlt werden. Was aber herzlich wenig Bezug zur Dynamik, dem Bereich zwischen leisesten und lautesten Passagen einer Sendung hat. Der Film hat mit den leisen Szenen und einigen lauteren Szenen eine gr\u00f6\u00dfere Dynamik als der Werbeblock, bei welchem kein gro\u00dfer Abstand zwischen leise und laut existiert. F\u00fcr den Werbeblock bzw. die einzelnen Spots ist maximal m\u00f6gliche Lautst\u00e4rke gew\u00fcnscht, um den eigenen Inhalt der Werbung m\u00f6glichst lauter und pr\u00e4gnanter als den der Anderen erscheinen zu lassen. Schon Mal gewundert, warum die Stimme eines Sprechers in einem Radio-Werbespot oder die der Moderatoren so kraftvoll und tief klingen? Alles nur mit technischer Hilfe m\u00f6glich. Das Audiosignal wird komprimiert, was die Dynamik verringert und die Gesamtlautst\u00e4rke (quasi der Mittelwert zwischen lauten und leisen Abschnitten) anhebt. Bei Werbung wird so etwas vermutlich immer gemacht, bei Filmen oder Musik sollte es die Ausnahme sein. In der Musikproduktion ist es &#8211; speziell bei Pop &#8211; wohl doch recht <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3Gmex_4hreQ\" target=\"_blank\">verbreitet<\/a>. Es gibt nicht wenige Leute, die Tontr\u00e4ger der letzten 10,11 oder 12 Jahre ablehnen, weil sich diese unangenehme Eigenheit in der Produktion niederschl\u00e4gt und letztlich nur\u00a0<em>Brei<\/em>\u00a0aus den Lautsprechern kommt. Wer Musik aber nur aus dem Handy h\u00f6rt, dass in der Hosentasche steckt (also nicht mal Kopf-\/Ohrh\u00f6rer verwendet), sieht da eher kein Problem drin.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/camerer_R128_loudness.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-488\" title=\"camerer_R128_loudness\" src=\"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/camerer_R128_loudness.jpg\" alt=\"peak normalisation vs loudness normalisation\" width=\"302\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/camerer_R128_loudness.jpg 302w, http:\/\/spatzentrauma.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/camerer_R128_loudness-300x269.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was soll jetzt die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ\u00e4ische_Rundfunkunion\" target=\"_blank\">EBU<\/a>-Empfehlung R128 (bzw. die internationale Variante der ITU, die ITU-R BS.1770) daran \u00e4ndern? Nicht mehr der Maximalpegel ist als Bezugsgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Aussteuerung zu verwenden, sondern die Gesamtlautst\u00e4rke einer Sendung oder Passage, also der Mittelwert (vereinfacht) von lauten und leisen Abschnitten. D.h., im Idealfall f\u00e4llt man beim Einsetzen eines Werbeblocks nicht mehr aus dem Sessel, weil die Lautst\u00e4rke viel h\u00f6her erscheint als in der letzten Szene des Films. Der grunds\u00e4tzliche Effekt ist damit sicher nicht zu beseitigen, aber das liegt in der Natur der Dinge. Und auch der Zwang (wenn man denn davon reden kann) bei Audioproduktionen auf Dynamik zugunsten der erreichbaren Maximallautst\u00e4rke zu verzichten, verschwindet. Oder um es mit den Worten von Florian Camerer (ORF), dem federf\u00fchrenden Experten bei R128, zu sagen: &#8222;Dynamik wird nicht mehr bestraft&#8220; (sinngem\u00e4\u00df).<\/p>\n<p>Aktuelle Ausw\u00fcchse (siehe auch der urspr\u00fcngliche Hinweis im Artikel weiter unten): <a href=\"http:\/\/www.wuv.de\/nachrichten\/medien\/ard_und_zdf_drehen_die_werbung_leiser\" target=\"_blank\">ARD und ZDF<\/a> werden zuk\u00fcnftig Werbung entsprechend der neuen Empfehlung <strong>leiser<\/strong>\u00a0ausstrahlen, bei der ARD geht das am 1. Januar des kommenden Jahres los, beim ZDF ist noch kein genauer Termin bekannt. Und auch private Anstalten denken dar\u00fcber nach bzw. wollen die ersten Erfahrungen anderer Sender beobachten.<\/p>\n<p>disclaimer: ich bin kein Profi, deswegen kann ich u.U. manches falsch verstanden haben oder falsch interpretieren. F\u00fcr ausf\u00fchrlichere Dokumentation sollte man daher auf die bei der EBU angebotenen Unterlagen zur\u00fcck greifen:\u00a0<a href=\"http:\/\/tech.ebu.ch\/loudness\/\" target=\"_blank\">http:\/\/tech.ebu.ch\/loudness\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tech.ebu.ch\/loudness\/\" target=\"_blank\">B<\/a>ild: \u00a0F.Camerer, EBU Technical Review &#8211; 2010 Q3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie weiter unten schon angedeutet, gibt es bereits seit einiger Zeit Bestrebungen, mit einer h\u00e4sslichen Eigenschaft von Privatrundfunk (und eben nicht nur dort) aufzur\u00e4umen. Die Rede ist von der Orientierung der Lautst\u00e4rke an Maximalpegeln. 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